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Oh, ja, stimmt, 8 Jahre. Wie die Zeit vergeht.

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iPad, die erste Woche

In alter Tradition erstmal eine Hülle gebastelt:

Wie macht's sich denn? Nun, weiterhin: das Teil fühlt sich wirklich an, wie aus der Zukunft gefallen, es ist einfach eine Freude, es anzufassen und zu bewundern. Das macht man allerdings dann doch nicht den ganzen Tag lang. Wirklich benutzt zu irgendetwas, jenseits des Bewunders und gelegentlichen Vorführens, habe ich es eigentlich nicht in dieser ersten Woche.

Das überrascht mich allerdings auch nicht wirklich. Mich hat es erstmal wegen seines Potentials interessiert, und einfach aus Neugier, nicht, weil ich eine klare Lücke gesehen hätte, die es füllen könnte. Anders als ein neuer Laptop, der schneller kleiner leichter toller, aber im Prinzip genau wie vorher wäre und damit sofort seine Rolle hätte, ist das iPad wirklich ein Gerät einer neuen Kategorie, die sich ihre Bedeutung erst noch schaffen muß.

Ausgangsposition jedenfalls ist hier -- vielleicht etwas extremer als anderswo, aber in den Grundzügen bestimmt nicht untypisch für jemanden, der sich zu diesem Text hier verirrt -- eine ziemlich umfassende Abdeckung mit internetfähiger Elektronik aller Größen und Gewichtsklassen. Oder, weiter gefasst, eine ziemlich umfassende Abdeckung mit Medien: das Fach für noch nicht gelesene Bücher ist inzwischen zum kompletten Regal für noch nicht gelesene Bücher geworden. Wenn das iPad benutzt werden will, muß es etwas anderem Zeit wegnehmen. Aber wem? (Folgende Überlegungen gelten erstmal hauptsächlich für den Anwendungsfall "zu Hause", mit kleinen Beobachtungen für den Fall "auf dem Weg zur Arbeit". Eine echte Reise wäre nochmal etwas anderes.)

Bildschirm (Desktop) Websurfen ist schon eine feine Sache mit dem iPad. Das Laden der Seiten alleine fühlt sich zumindest fast schon schneller an als auf dem großen Computer, und Herumwischen und Antippen sind wirklich sehr sinnfällige Interaktionen. Bloß: mein Websurfen ist entweder Prokrastinieren, Flucht vor Eclipse, Emacs oder Email, oder es ist "Recherche" (Papers runterladen). Jedenfalls etwas, das stattfindet, wenn ich eh am Computer sitze.

Von dieser Zeit wird das iPad nicht viel nehmen können, es sei denn, ich kann mir das Prokrastinieren abgewöhnen. Erste Anzeichen sind da: vielleicht kann mir Instapaper zumindest die Qualität des Prokrastinierens erhöhen. (Instapaper ist ein Service, mit dem man Netzseiten für späteres Lesen in einer minimalistischen, auf Lesefreundlichkeit abgestimmten Umgebung vormerken kann.) Es deutet sich an, dass der Click auf "read later" den Drang, erstmal noch schnell dringend doch diesen Artikel über Wahlen in Uganda oder Null Pointer Exceptions in Virtual Machines zu lesen, lindern kann und sogar durch sowas wie Vorfreude vergleichbaren Schwung zurückholen kann. Hier ist also ein klein wenig Raum.

Bildschirm (iPhone) Erstaunlicherweise (und das erstaunt mich jetzt wirklich doch) zeigt sich das iPhone bisher am wenigsten bedroht. Für alle Sachen in Bewegung (email checken in U-Bahn, oder stehend in der Küche) ist das iPad zu groß, und für den anderen Anwendungsfall (auf dem Sofa liegen) fast schon zu schwer. Ich habe inzwischen einen Griff gefunden, mit dem ich das halbwegs bequem über oder vor mich halten kann; aber eben nur so halbwegs bequem. Das iPhone ist zu gut z.B. für RSS-Feeds, als dass "halbwegs bequem" wirklich genug wäre.

Bildschirm (TV, DVD, etc.) Fernsehen mache ich nicht. (Macht das eigentlich noch jemand? Ich bin da sowas von raus seit bestimmt 10, 15 Jahren.) DVDs schaue ich selten, und wenn, dann mit anderen. Das könnte ich auf dem iPad machen (also, Filme schauen, nicht direkt DVDs), aber das hätte keinen Vorteil gegenüber dem Laptop mit dem größeren Bildschirm (welcher sogar noch sein eigener Ständer ist). Auf längeren Reisen könnte die Sache anders sein, aber eigentlich schaue ich auch dort kaum je Filme.

Papier Bliebe das Papier. Das ist ja die Hoffnung der Branche, dass das iPad (und sicher bald folgende Kopien) ihnen die Leute wieder zuführen. Wobei sich diese Hoffnung darauf richtet, dass Leute etwas digital machen, was sie auf Papier nicht mehr machen. Bei mir könnte das nur durch eine Reduktion des Papiergebrauchs und damit einer Umlagerung der Kosten gehen; für Verlage bin ich damit uninteressant. Aber das nur am Rande. Würde ich das denn wollen? Bietet das iPad klare Vorteile? Wie gesagt, es ist recht schwer. Beim Halten einer Zeitung habe ich bisher eher noch nie über deren Gewicht nachgedacht. Und ich halte Zeitungen z.B. auch gerne neben dem Kaffee und unterm dem Teller, oder in der Badewanne. Alles nicht unbedingt Orte, wo ich das iPad gerne mit hinnehmen würde. (Das Foto vom letzten Eintrag notwithstanding.)

Andererseits. Die App der New York Times z.B. ist schon recht hübsch. Das könnte ich mir fast vorstellen, später mal zu abonnieren. (Momentan gibt es nur "editor's choice" mit ausgewählten Artiken, aber für umsonst.) Das wäre aber nur eine Erweiterung der Möglichkeiten (die NYT gibt es ja kaum als hardcopy in D), die Zeit dafür müsste immer noch irgendwo her kommen. Andere Publikationen? Nur für's gemütliche Baden und spätere Altpapier z.B. die New York Review einfliegen zu lassen... Ich spiele mit dem Gedanken, auf die digitale Edition umzusteigen.

Bücher? Mag ich vielleicht zu sehr. Auch hier gilt: haben eigentlich zu wenig Probleme, um wirklich ersetzt werden zu müssen. Lassen sich mitnehmen, sind nicht wirklich teuer (obwohl vielleicht teurer als digitale Editionen wären).

Ok, es bleibt interessant. Zwei Sachen noch:

  • es ist schon beeindruckend, wenn z.B. die Kindle-Applikation (ja, ich habe ein eBook gekauft -- was technisches, das könnte gehen) auf dem iPhone weiß, wo man auf dem iPad aufgehört hat zu lesen.
  • das unter dem iPad auf dem Photo oben ist übrigens das San Francisco Panorama, Dave Egger et al.s Versuch, im Zeitalter des Internets eine schöne Zeitung zu machen. In gewisser Weise die gegenläufige Antwort.

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Ja, kann man machen.

Ok. Ein bisschen mehr Details:

  • In meiner ersten Verlegenheit, was das Ding eigentlich sein soll, habe ich es wie ein großes iPhone behandelt. Das geht nicht gut. Das Teil fühlt sich nämlich an, als sei es aus solidem Metall mit Glasbeschichtung. Also schwer. Freihändig gehalten schmerzen da schnell die Hände.
  • Das Teil will unsichtbar sein, will Bühne sein für die Programme. Aufgestützt auf Beine, Tisch, Bauch, whatever, wird es dies auch, und beginnt, doch, wirklich, magical zu werden.
  • (Abgesehen davon, dass es auch einen guten Spiegel abgibt, und auf Bein, Tisch, Bauch, whatever abgestützt dann noch fix so ausgerichtet werden will, dass aus dunklen Stellen einen nicht das eigene Antlitz entgegen lächelt. Etwas weggedreht kann man dann wenigstens noch andere Teile des Zimmers im Auge behalten.)
  • Es ist verdammt schnell, schnell genug, um einem wirklich aus dem Weg zu gehen. Eine Webseite durch die Gegend zu schieben fühlt sich wirklich so an, als schiebe man eine Webseite durch die Gegend, und nicht, als gäbe man einem Computer per Fingereingabe den Befehl, eine Webseite zu scrollen. Das ist schon sehr beeindruckend.
  • Texteingabe mit der virtuellen Tastatur geht im Querformat erstaunlich ok. Ich habe auf dem iPhone nie mehr als ein paar Sätze am Stück geschrieben, hier könnte ich mir vorstellen, das zu tun, und z.B. emails ernsthaft zu bearbeiten, und nicht nur zu lesen (wie mit dem iPhone).
  • Ich habe das 16GB WiFi-Modell. Nach etwas Überlegung würde ich den meisten Leuten wohl eher 32 oder 64 GB mit 3G empfehlen. Das Teil ist sehr geeignet für Filme, und in 16 GB passen nicht besonders viele rein. Und vor einer Reise z.B. genau überlegen zu müssen, was man mitnehmen will, nagt an dem Luxus, der das iPad ja sowieso ausschließlich ist. Und Computer ohne Internetanschluß fühlen sich heutzutage ja auch gleichsam kastriert an. Ich hatte irgendwie erwartet, dass ich es sowieso nur in Reichweite eines WLANs benutzen werde, aber es ist doch zu verlockend, im Zug z.B. emails zu öffnen.
  • So. Sehr verlockend und glänzend und toll ist es, ohne Frage. Jetzt muß es sich hier nur noch seine Lücke suchen zwischen iPhone (geht, wenn man in Bewegung ist) und Tastaturcomputer (vor dem sitze ich leider meist, wenn ich nicht in Bewegung bin).
  • Vielleicht sollte ich anfangen, "Medien" zu "konsumieren". Dafür ist es jedenfalls großartig geeignet. Das mache ich jedoch erstaunlich selten. (Außer als Prokrastination, vor dem Tastaturcomputer sitzend, oder als Lesen von Büchern, wofür Papier schon in Ordnung ist vielen Dank.)

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