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iPad, der erste Monat (und ein bisschen)

So, zur Freude der googlenden Horden, ihre Entscheidung über den jetzt ja bald möglichen Kauf formend (und zum Einstreichen des letzten bisschens möglichen Distinktionsgewinnes, obwohl ja ein Freund von mir kürzlich jedermanns liebsten Berliner Irokesenschnittträger mit iPad im Bioladen gesehen hat, was schon aus handhabungstechnischen Gründen bemerkenswert ist, aber sicherlich jeglichen Distinktionsgewinn einer Transaktionssteuer unterwirft, die Gesellschaftsunternehmerische Tätigkeiten dieser Art weit weniger attraktiv erscheinen lässt, als zu Beginn dieses Satzes noch zu vermuten hallo hallo hallo ende ende): ein erstes Zwischenfazit (ich überlasse es dem Leser, sich darüber Gedanken zu machen, was ein "Zwischenfazit" sein soll).

Dieses Textchen hier schreibe ich schonmal nicht auf dem iPad.

Nein, anders. Positiver. Das iPad ist ein Freizeitgerät. Es ist sogar ein großartiges Freizeitgerät. Wenn man Freizeit hat, wird sie mit diesem Gerät vielleicht sogar noch schöner. Wer z.B. Fernsehen schaut, könnte dabei mit dem iPad auf dem Schoß noch sehr fein im Internetz surfen. Oder youTube schauen. (Dann vielleicht den Ton vom Fernseher runtermachen. So als Tipp.)

Nee, auch nicht. Ich brauch einen anderen Ansatz. Das weiß ja jeder, der in der letzten Zeit mal eine Zeitung aufgemacht hat. Ich mach's mal persönlicher.

Meine Killerapps:

  • GWars:Touch Raumschiffrumflieg-und-dauernd-Schießen-Spiel. Macht Spass.
  • SmartGo Kifu Für sowas ist das Teil jetzt wirklich gemacht. Gibt sogar einige Go-Spiele für das iPad, Tengen Go z.B. erlaubt einem, auf IGS online go zu spielen, oder bei Spielen zuzuschauen. Für's online Spielen bin ich allerdings zu schlecht, und zu ungeduldig. Da ist der Computergegner von SmartGo schon besser.
  • Kinderbücher.. Das könnte insgesamt eine sehr erfolgreiche Sparte werden für das Teil. Die kleine hauseigene Avantgarde lässt sich sehr gut ablenken z.B. durch Jack and the Beanstalk, ein interaktives Kinderbuch, das Muht und Mäht und auch sonst tut, was Kinderbücher so tun sollen. Oder Alice, wo es auch Gebimmel und Gewackel gibt. (Bevor jetzt hier irgendwer seine Pädagogik auspackt: es gibt auch sonst jede Menge fiepsender und tutender Kinderbücher, da geht das Abendland auch nicht unter, wenn die hinter Glas tuten und fiepsen. Eher geht da das Vaterherz unter, wenn beherzt mit berotzten Fingern über das Glas gewedelt wird. (Und den Nutzen von YouTube zur Kinderberuhigung werde ich jetzt gar nicht erst loben, sonst bekommen wir ja nu direkt das Jugendamt vorbeigeschickt -- obwohl, sollen die erstmal zeigen, dass das hier z.B. nicht schon in frühester Jugend einen eher zum besseren Menschen werden lässt. Auf jeden Fall lässt es einen kurzfristig zu einem stilleren Menschen werden, und das trägt sicherlich dazu bei, die Menge an Zufriedenheit in der Welt kurzzeitig größer werden zu lassen, in einer Weise sogar, die spätere Konzentrationsstörungen und Schwererziehbarkeit sicherlich direkt einpreist.))
  • Ansonsten ist die Killerapp immer noch das Ding selbst. Was dann aber auch wieder etwas unbefriedigend ist, weil es zwar sehr verlockend, aber doch auch ein wenig dämlich ist, immer wieder die Homescreens hin und her zu wischen.

Noch zur Killerapp werden könnte tatsächlich, wenn ich nicht so konservativ wäre: die Wolke. Ich hatte es schon erwähnt, es hat schon etwas faszinierendes, wenn ein Text plötzlich wirklich etwas Immaterielles ist, auf das man nur auf verschiedene Weisen draufschaut. Instapaper macht das: man liest auf dem iPhone ein bisschen, liest dann auf dem iPad weiter, und es ist derselbe Text, auf den man da draufschaut, an derselben Stelle stehengeblieben. Und nicht etwa die gleiche Datei, in zwei Programmen.

Ich bin dafür vielleicht schon zu alt. Ich denke in Dateien, Filesystemen, Ordnerhierarchien, und Bücher sind für mich dreidimensionale Objekte (deren Inhalt Orte hat, wie "vorne im Buch", oder "das stand auf einer linken Seite"). Mir fällt es erstaunlich schwer, mich davon zu lösen. So langsam beginne ich aber, die Vorteile der Verdampfung sehen zu können. Ich hab ein paar O'Reilly-e-Bücher gekauft--großzügigerweise gibt es die DRM-frei und in verschiedenen Formaten. Ich hab auch ein Kindle-Buch, da funktioniert das sogar noch besser mit dem Abgleich zwischen iPad und iPhone. Aber ich vermisse sogar die O'Reilly-Bücher (aus Papier, mit glänzendem Cover) jetzt schon. Ob ich jemals Belletristik damit lesen werde? Ich hoffe nicht.

Nun gut. Das war zu Hause. Ich werd' es mit dem iPad demnächst mal auf einer passiven Dienstreise (höre nur zu) versuchen. Auf eine aktive Dienstreise (ich erzähle etwas, das ich eventuell am Vorabend noch schnell machen / korrigieren muß) werde ich es wohl so bald eher nicht (ausschließlich) mitnehmen, dafür ist das Air nicht schwär genug.

Was ist denn jetzt eigentlich nu das Fazit? Und warum sollte das irgendjemanden interessieren? Letzteres weiß ich nicht, ist doch auch egal. Ersteres ist vielleicht: Bei guter Ausstattung mit Computern und modernen Schlautelephonen ist die Lücke für das iPad schon recht klein. Aber eine solche Ausstattung haben meistens Leute, die spätestens bei der ersten Berührung des iPads wissen werden, dass das die Zukunft ist -- und sich vielleicht sogar sofort alt fühlen werden. Alle anderen werden das sowieso sofort haben wollen, weil sie eine Lücke sehen. (Dateien liegen sowieso alle auf dem Desktop, Rechner ist sowieso nur in der Freizeit an, Wo drückt man nochmal für die email?) Doch, ich glaube schon, die Zukunft gehört der Kategorie very personal computer, ob wir Terminalbenutzer das wollen oder nicht.

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Oh, ja, stimmt, 8 Jahre. Wie die Zeit vergeht.

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iPad, die erste Woche

In alter Tradition erstmal eine Hülle gebastelt:

Wie macht's sich denn? Nun, weiterhin: das Teil fühlt sich wirklich an, wie aus der Zukunft gefallen, es ist einfach eine Freude, es anzufassen und zu bewundern. Das macht man allerdings dann doch nicht den ganzen Tag lang. Wirklich benutzt zu irgendetwas, jenseits des Bewunders und gelegentlichen Vorführens, habe ich es eigentlich nicht in dieser ersten Woche.

Das überrascht mich allerdings auch nicht wirklich. Mich hat es erstmal wegen seines Potentials interessiert, und einfach aus Neugier, nicht, weil ich eine klare Lücke gesehen hätte, die es füllen könnte. Anders als ein neuer Laptop, der schneller kleiner leichter toller, aber im Prinzip genau wie vorher wäre und damit sofort seine Rolle hätte, ist das iPad wirklich ein Gerät einer neuen Kategorie, die sich ihre Bedeutung erst noch schaffen muß.

Ausgangsposition jedenfalls ist hier -- vielleicht etwas extremer als anderswo, aber in den Grundzügen bestimmt nicht untypisch für jemanden, der sich zu diesem Text hier verirrt -- eine ziemlich umfassende Abdeckung mit internetfähiger Elektronik aller Größen und Gewichtsklassen. Oder, weiter gefasst, eine ziemlich umfassende Abdeckung mit Medien: das Fach für noch nicht gelesene Bücher ist inzwischen zum kompletten Regal für noch nicht gelesene Bücher geworden. Wenn das iPad benutzt werden will, muß es etwas anderem Zeit wegnehmen. Aber wem? (Folgende Überlegungen gelten erstmal hauptsächlich für den Anwendungsfall "zu Hause", mit kleinen Beobachtungen für den Fall "auf dem Weg zur Arbeit". Eine echte Reise wäre nochmal etwas anderes.)

Bildschirm (Desktop) Websurfen ist schon eine feine Sache mit dem iPad. Das Laden der Seiten alleine fühlt sich zumindest fast schon schneller an als auf dem großen Computer, und Herumwischen und Antippen sind wirklich sehr sinnfällige Interaktionen. Bloß: mein Websurfen ist entweder Prokrastinieren, Flucht vor Eclipse, Emacs oder Email, oder es ist "Recherche" (Papers runterladen). Jedenfalls etwas, das stattfindet, wenn ich eh am Computer sitze.

Von dieser Zeit wird das iPad nicht viel nehmen können, es sei denn, ich kann mir das Prokrastinieren abgewöhnen. Erste Anzeichen sind da: vielleicht kann mir Instapaper zumindest die Qualität des Prokrastinierens erhöhen. (Instapaper ist ein Service, mit dem man Netzseiten für späteres Lesen in einer minimalistischen, auf Lesefreundlichkeit abgestimmten Umgebung vormerken kann.) Es deutet sich an, dass der Click auf "read later" den Drang, erstmal noch schnell dringend doch diesen Artikel über Wahlen in Uganda oder Null Pointer Exceptions in Virtual Machines zu lesen, lindern kann und sogar durch sowas wie Vorfreude vergleichbaren Schwung zurückholen kann. Hier ist also ein klein wenig Raum.

Bildschirm (iPhone) Erstaunlicherweise (und das erstaunt mich jetzt wirklich doch) zeigt sich das iPhone bisher am wenigsten bedroht. Für alle Sachen in Bewegung (email checken in U-Bahn, oder stehend in der Küche) ist das iPad zu groß, und für den anderen Anwendungsfall (auf dem Sofa liegen) fast schon zu schwer. Ich habe inzwischen einen Griff gefunden, mit dem ich das halbwegs bequem über oder vor mich halten kann; aber eben nur so halbwegs bequem. Das iPhone ist zu gut z.B. für RSS-Feeds, als dass "halbwegs bequem" wirklich genug wäre.

Bildschirm (TV, DVD, etc.) Fernsehen mache ich nicht. (Macht das eigentlich noch jemand? Ich bin da sowas von raus seit bestimmt 10, 15 Jahren.) DVDs schaue ich selten, und wenn, dann mit anderen. Das könnte ich auf dem iPad machen (also, Filme schauen, nicht direkt DVDs), aber das hätte keinen Vorteil gegenüber dem Laptop mit dem größeren Bildschirm (welcher sogar noch sein eigener Ständer ist). Auf längeren Reisen könnte die Sache anders sein, aber eigentlich schaue ich auch dort kaum je Filme.

Papier Bliebe das Papier. Das ist ja die Hoffnung der Branche, dass das iPad (und sicher bald folgende Kopien) ihnen die Leute wieder zuführen. Wobei sich diese Hoffnung darauf richtet, dass Leute etwas digital machen, was sie auf Papier nicht mehr machen. Bei mir könnte das nur durch eine Reduktion des Papiergebrauchs und damit einer Umlagerung der Kosten gehen; für Verlage bin ich damit uninteressant. Aber das nur am Rande. Würde ich das denn wollen? Bietet das iPad klare Vorteile? Wie gesagt, es ist recht schwer. Beim Halten einer Zeitung habe ich bisher eher noch nie über deren Gewicht nachgedacht. Und ich halte Zeitungen z.B. auch gerne neben dem Kaffee und unterm dem Teller, oder in der Badewanne. Alles nicht unbedingt Orte, wo ich das iPad gerne mit hinnehmen würde. (Das Foto vom letzten Eintrag notwithstanding.)

Andererseits. Die App der New York Times z.B. ist schon recht hübsch. Das könnte ich mir fast vorstellen, später mal zu abonnieren. (Momentan gibt es nur "editor's choice" mit ausgewählten Artiken, aber für umsonst.) Das wäre aber nur eine Erweiterung der Möglichkeiten (die NYT gibt es ja kaum als hardcopy in D), die Zeit dafür müsste immer noch irgendwo her kommen. Andere Publikationen? Nur für's gemütliche Baden und spätere Altpapier z.B. die New York Review einfliegen zu lassen... Ich spiele mit dem Gedanken, auf die digitale Edition umzusteigen.

Bücher? Mag ich vielleicht zu sehr. Auch hier gilt: haben eigentlich zu wenig Probleme, um wirklich ersetzt werden zu müssen. Lassen sich mitnehmen, sind nicht wirklich teuer (obwohl vielleicht teurer als digitale Editionen wären).

Ok, es bleibt interessant. Zwei Sachen noch:

  • es ist schon beeindruckend, wenn z.B. die Kindle-Applikation (ja, ich habe ein eBook gekauft -- was technisches, das könnte gehen) auf dem iPhone weiß, wo man auf dem iPad aufgehört hat zu lesen.
  • das unter dem iPad auf dem Photo oben ist übrigens das San Francisco Panorama, Dave Egger et al.s Versuch, im Zeitalter des Internets eine schöne Zeitung zu machen. In gewisser Weise die gegenläufige Antwort.

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Jetzt werde ich ganz
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by der (21-5-18 23:56)
Die Kommentare habe ich
schonmal wiedergefunden.
by der (21-5-18 23:55)
DSGVO Hallo.
Gibt's ja noch. Nur die Kommentare sind weg. Und wie bekomme ich das...
by der (21-5-18 23:54)

(Heutzutage würde man sowas wohl twitpicen, aber das besitze ich leider nicht.)
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Herzlichste Glückwünsche!
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gratuliere! (und falls Sie verhandeln müssen, kann ich ein...
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Naja, die 9 SWS Lehre
sollten einen schon ganz gut am Ort halten.. Aber...
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Halb so wild. In dem
Geschäft ist man ohnehin mehr auf Achse als zu...
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Danke. Ein wenig in der
Provinz... Eine ost-westfälische Stadt, deren Existenz gelegentlich angezweifelt wird...
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Oh! Congrats! Wo denn,
wenn man fragen darf?
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